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Ein gefüllter humanistischer Rucksack

|  22. Juli 2010
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Ein gefüllter humanistischer Rucksack
 Seit zwei Jahren arbeitet die gebürtige Dürrenrotherin Nadja Ruch bei Radio DRS 1 als Nachrichtenredaktorin. Bild: ljw

Nadja Ruch, Nachrichtenredaktorin. Die Stimmen der Nachrichtensprecherinnen und -sprechern von Radio DRS 1 sind vielen bekannt, ebenso deren Namen. Die Person «hinter dem Äther» bleibt jedoch als Persönlichkeit für die Hörerinnen und Hörer meist weitgehend anonym. Der «UE» war zu Besuch bei Nadja Ruch, einer gebürtigen Dürrenrotherin


 Wenn Nadja Ruch auf DRS 1 die Nachrichten liest, weist nichts auf den Emmental-Oberaargau-Dialekt – oder mittlerweile «gewöhnliches» Berndeutsch – hin, welches sie im Alltag spricht. Das perfekte Hochdeutsch der Sprecherinnen und Sprecher lässt kaum auf den Landesteil schliessen, in welchem sie aufgewachsen sind. Es liegt auf der Hand, dass eine fundierte Ausbildung und gute Schulung Voraussetzung sind, um diese Tätigkeit auszuführen. Nadja Ruch ist Historikerin. Das sei für die Mitarbeit beim Radio eine gute Grundlage, sagt sie gegenüber dem «UE»: «Nach einem Geschichtsstudium ist man geübt im Lesen, Recherchieren und auch darin, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es ist ein wertvoller humanistischer ‹Rucksack› für die Arbeit als Journalistin», sagt sie. 
 
Berufsstart im Seminar
Der «humanistische Rucksack» ist ihr allerdings nicht einfach in den Schoss gefallen. Gleich nach der Schule verliess Nadja Ruch ihr Heimatdorf Dürrenroth und startete in Thun mit dem Seminar für Fachlehrkräfte in der musischen Richtung. Das erfüllte sie aber kaum: «Side male chani de spöter gäng no», sagte sie sich, legte einen Rückwärtsgang ein und schloss schliesslich das Seminar als Primarschullehrerin ab. Dies verschaffte ihr nicht nur die Möglichkeit zur Berufsausübung als Lehrkraft, sondern auch den Zugang zur Universität oder zu einer Fachhochschule. 
«Es reizte mich, ein Studium in Angriff zu nehmen, mich in wissenschaftliche Fächer zu vertiefen», blickt sie zurück. Ein Jahr lang versah Naja Ruch nach dem Seminarabschluss allerdings noch ein Teilpensum an der Volksschule in Forst-Längenbühl und arbeitete gleichzeitig bei Radio BeO; dann begann sie das Studium an der Uni Bern in den Fächern Geschichte und Anglistik. «Es war eine überaus intensive Zeit, anstrengend, aber schön und interessant», so Nadja Ruch. Mit verschiedensten Jobs bei den SBB, als Tutorin an der Uni Bern, in einer Stellvertretung bei der Berner Zeitung oder bei Führungen im Historischen Museum verdiente sie den Lebensunterhalt. Der Wohnort blieb vorläufig Thun; im Berner Oberland, in den Bergen fühlt sich die Emmentalerin heute noch daheim, obwohl sie vor etwa zwei Jahren mit ihrem Freund nach Bern gezogen ist.
 
Zuerst in der «Presseschau»
Ein dreivierteljähriger Sprachaufenthalt in den USA, im Silicon Valley, rundete das Studium ab; seit dem letzten Frühjahr hat Nadja Ruch auch das Lizentiat in Geschichte in der Tasche – und einen Job, der ihr super gefällt. Für die «Presseschau» jeweils am Morgen nahm sie die Tätigkeit bei Radio DRS 1 auf. Vor zwei Jahren erhielt sie dann das Job-Angebot als Nachrichtenredaktorin. Längst ist Nadja Ruch im weitläufigen Gebäude im Berner Monbijou-Quartier zu Hause, kennt das Zusammenspiel innerhalb der verschiedenen Ressorts, insbesondere natürlich bei den Nachrichten, wo es ihre Aufgabe ist, die eingehenden Meldungen zu selektionieren, zusammenzufassen und zu sprechen. 
Dies in Zusammenarbeit mit den Programmverantwortlichen und unter Einbezug von Aktualitäten, welche zuweilen grosse Flexibilität fordern. Die Arbeit gefällt ihr ausgezeichnet, und endlich kann sie nach den langen, intensiven Studienjahren auch die Freizeit geniessen. Dabei gönnt sich die Nachrichtenredaktorin mit ihrem 80%-Pensum einen zusätzlichen freien Tag, um unbeschwert biken, wandern oder Sport treiben zu können. Sowohl diese Freiheit als auch den begehrten Job musste sie hart erarbeiten, musste «durchbeissen», wenn es darum ging, Geld zu verdienen und das Studium unter einen Hut zu bringen. «Es braucht auch Glück und die Voraussetzung, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Mich hat aber immer alles sehr interessiert, deshalb habe ich die Studienzeit als sehr vielfältig und bereichernd erlebt», stellt sie fest. Laut Nadja Ruch arbeiten sowohl bei den Nachrichten als auch in anderen Ressorts der Abteilung Information zahlreiche «Quereinsteiger». 
Die meisten allerdings können einen ebenso «vollen Rucksack» wie die Dürrenrotherin vorweisen – mit «Nachrichten lesen» ist es bei weitem nicht getan. Ein riesiges Team steht hinter den Kulissen oder direkt hinter dem Äther, um den rund zwei Millionen täglichen Zuhörerinnen und Zuhörern beinahe rund um die Uhr und nahtlos Nachrichten und Hintergrundsendungen sowie regelmässige Wetter- und Verkehrsinformationen übermitteln zu können.
Liselotte Jost-Zürcher


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