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Die kleine, feine Gelateria auf dem Bauernhof

|  24. Juli 2010
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Die kleine, feine Gelateria auf dem Bauernhof
 Die Glace-Hersteller vom Möhrenhof: Claudia und Hansueli Bernet mit den Kinden von links: Lea (8), Chiara (22 Monate)Rahel (7) und Manuel (5½). Bild: eag

Claudia und Hansueli Bernet, Ufhusen (Serie 8, Landwirtschaft mit Nebenerwerb auf dem Hof). Wer Glace mag, ist auf dem Möhrenhof im luzernischen Ufhusen präzis an der richtigen Adresse. Die Familie Bernet produziert Glace – eine riesige Auswahl, darunter fast ein wenig «verrückte» Kreationen.


Etwas ausserhalb des Dorfes Ufhusen, nahe Huttwil, liegt der Möhrenhof. Rot blüht der Mohn im üppig angepflanzten Hügelbeet. Auf dem Hausplatz unter dem mächtigen Nussbaum döst «Bablo», der Hofhund. An diesem heissen Sommertag liegt selbst das Wohnhaus verschlafen inmitten der grünen Wiesen. Doch die gemächliche Ruhe täuscht. Im Keller herrscht geschäftiges Treiben. Hier in einem grossen Raum, wo blank polierter Chromstahl glänzt, arbeiten Claudia und Hansueli Bernet seit den frühen Morgenstunden nach strengsten Hygienevorschriften. 
 
Kostbare Zutaten 
«Wir haben bereits zehn verschiedene Glacesorten fabriziert», sagt Caudia Bernet. Jetzt giesst die 44-jährige Bäuerin drei Liter frische Vollmilch in einen grossen Chromstahlkessel. Dann fügt sie Eigelb hinzu sowie ein Gemisch aus Eiweiss und Zucker und mixt alles kräftig zusammen. Weitere Zutaten sind kostbare Vanille aus Madagaskar und Rahm. Diese Rezeptur ergebe  rund sechs Liter Vanilleglace, erklärt sie. Nach dem gleichen Verfahren werden auch Beeren oder gar Pfefferminze mit der Milch und restlichen Zutaten gemischt. Danach kommt die Masse in die Glace-Maschine, den «Freezer», wo sie zuerst auf über 80 Grad erhitzt und anschliessend gefroren wird. 
 
Nicht mehr melken
Eingestiegen in das Glacengeschäft seien sie vor acht Jahren, erklärt Hansueli Bernet. Ein Inserat in der «Bauern-Zeitung» habe damals ihre Neugier geweckt. Die Familie Bernet, die einen 21 Hektaren grossen Bauernbetrieb bewirtschaftet, hat vor drei Jahren von Milchviehhaltung auf Mutterkühe umgestellt. «Hierüber sind wir froh», sagt Hansueli Bernet. «Wir sind nun viel flexibler und haben mehr Spielraum», ergänzt seine Frau. Gerade dann, wenn sie mit dem Glacestand unterwegs seien, wie an Hochzeiten,  Hornusserfesten oder etwa an einem  Bauernmarkt. Nebst den 30 Mutterkühen mit ihren Jungtieren halten die Bernets noch 180 Mastschweine; angepflanzt werden vorwiegend Ur-Dinkel und Silomais. 
 
Traurige Nachricht
Hansueli Bernet blickt zurück auf den Mittwochabend, 14. Juli, als der Blitz acht Kühe auf der Weide getötet hat. «Wir weilten in den Ferien als wir von der traurigen Nachricht erfuhren.» Hansueli und Claudia Bernet beklagen vor allem den emotionalen Verlust: «Wir hatten einen guten Bezug zu den Tieren und so ein Ereignis tut einfach weh.» Froh seien sie aber, dass der Blitzeinschlag kein Menschenleben gekostet habe.  «Es ist ein Versicherungsfall, wie viel uns schliesslich ausbezahlt wird, wissen wir noch nicht», so der Bauer.
 
Milch vom Nachbarhof
Auf dem Möhrenhof wird jährlich aus rund 1000 Litern frischer Vollmilch köstliche Glace produziert. «Die Milch dazu liefert uns der Nachbar», erklärt Claudia Bernet. Rahm und den Joghurt beziehen sie von der Napf-Chäsi in Luthern. Es sei ihnen sehr wichtig, regionale Produkte zu verwenden. Also hat die innovative Bäuerin diesen Sommer über 150 Kilogramm Erdbeeren ab Feld geerntet, püriert und eingefroren. Aus den eigenen Früchten wie Himbeeren, Kirschen oder Zwetschgen wird in der Saison Glace hergestellt. «Fast jede Variation fabrizieren wir mit frischen und natürlichen  Zutaten», betont Claudia Bernet. Die Pistazien-Masse allerdings und wenige andere Rohstoffe beziehen die Bernets von der niederländischen Firma Bakker und Kok (siehe Kasten), bei der sie auch den «Freezer» gekauft haben. «Unsere Glacen haben wenig Luft drin, sind kompakt, auch sind sie nicht so farbintensiv wie die Industrieglacen, dafür ohne  Farb- und sonstige Zusatzstoffe», erklärt die Bäuerin den intensiven Geschmack.  
 
Wie in einer Gelateria  
Die Palette der Geschmacksrichtungen lässt kaum einen Wunsch offen: Himbeer, Panna Cotta, Bananen, Pistazien,  Amaretto, Stracciatella, Joghurt und so weiter, über 20 verschiedene Sorten. «Joghurt läuft besonders gut, das ist sehr erfrischend im Sommer», sagt Claudia Bernet. Die Kühlfächer in Bernets kleinem Glace-Paradies sind vollgestopft mit Glace-Kübeln in verschiedenen Grössen und auch Torten vieler Variationen, angeschrieben mit: «Glace vom Möhrenhof». Unter diesem eigenen Logo wird die Glace vermarktet.
 
Noch freies Potenzial 
«Wir investierten sehr viel in die Glacen-Produktion», sagt Hansueli Bernet. Die Herstellung laufe momentan aber eher im Kleinen, vor allem, um auch Zeit für ihre vier Kinder zu haben. «Es ist eine kreative, schöne Arbeit, aber halt auch sehr aufwändig», fügt seine Frau an. In naher Zukunft möchten sie weitere Absatzkanäle suchen und die Produktion ausbauen, wie der 39-jährige Bauer sagt. Derzeit beliefert die Familie Bernet Vereine, Käsereien in der Region und natürlich Privatpersonen. Aber auch Restaurants bieten mittlerweile «Glace vom Möhrenhof» an. «Auf Wunsch stellen wir oftmals dann schon ganz spezielle Kreationen her», lacht Claudia Bernet. Denn, wer kenne schon eine Kaffee-Brandyglace, eine aus Honig oder gar eine aus Süssholz? «Gerade weil wir im Kleinen produzieren, sind uns kaum Grenzen gesetzt», begeistert sich die Bäuerin, die sehr gerne tüftelt und Neues ausprobiert. Die Bernets kreierten tatsächlich einst für ein Restaurant eine einzigartige Bier-Glace.
 
Freude am Produzieren 
Es geht gegen Mittag zu. Im Produktionsraum quillt aus der Glace-Maschine eine hellgelbe Masse mit Caramelstücken. «Das ist unsere Bailey’s-Caramel-Glace», erklärt Claudia Bernet nicht ohne Stolz in der Stimme. Sie seien froh darüber, damals diesen Schritt gewagt zu haben, so ihr Mann. «Und bis heute ist uns die Freude an den süssen Kugeln nicht abhanden gekommen», sagen beide zufrieden. 
Elsbeth Anliker  
 
Infos: «Glace vom Möhrenhof» wird in grösseren Behältern und wie auch Torten auf Bestellung produziert. Kleinere Mengen können direkt bei der Familie Bernet, Möhrenhof, Ufhusen, gekauft werden (Tel. 041 988 29 88 oder moehrenhofglace@bluewin.ch).
 
 

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