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«Auch eine Menge für das Leben selbst gelernt»

|  27. Juli 2010
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«Auch eine Menge für das Leben selbst gelernt»
Marlene Heiniger vor dem Bauernhof ihrer Eltern im Belzhaus. Die erfolgreiche Berufsfrau, die gerne draussen in der Natur ist, freut sich, nach einer strengen Arbeits-, Schul- und Prüfungszeit wieder ein bisschen mehr Zeit für sich selber zu haben. Bild: eag

 
Marlene Heiniger, Eriswil. Vor kurzem hat sie ihre Ausbildung zur Kauffrau bei der Eriswiler Gemeindeverwaltung als beste Berufsmaturandin ihres Lehrjahrgangs abgeschlossen: Marlene Heiniger (18) blickt heute dankbar auf diesen Lebensabschnitt zurück. Nebst Fachwissen kann sie auch in der persönlichen Entwicklung einiges mit auf den weiteren Weg nehmen.


 Das Erste, was einem an der jungen Frau auffällt, sind die strahlend blauen Augen und ihr Lachen. Marlene Heiniger sitzt in der heimeligen Küche am breiten Tisch vorne beim Fenster und blättert in Schulunterlagen. Jetzt stürmen Esther (6) und Katja (10) ins Haus. «Wir pflücken gerade Johannisbeeren», tun die beiden gleich kund. «Das sind die zwei Jüngsten», erklärt Marlene Heiniger, Zweitälteste von fünf Geschwistern. Sie wirft einen liebevollen Blick auf die Mädchen und sagt: «Es ist etwas Schönes, in einer Grossfamilie aufwachsen zu dürfen, ich konnte davon viel profitieren.» 
 
Sie freuten sich mit
Die zierliche Frau, die auf dem idyllisch gelegenen Bauernhof im Belzhaus bei ihrer Familie lebt, sagt: «Als sie mich an der Diplomfeier mit der besten Note aufgerufen hatten, war ich total überrascht.» Marlene Heiniger strahlt. Sie hat kürzlich ihre Lehre als Kauffrau mit integrierter Berufsmaturiät bei der Gemeindeverwaltung Eriswil mit der brillanten Note 5,4 abgeschlossen – als beste Berufsmaturandin ihres Lehrjahrgangs der Kaufmännischen Berufsschule Langenthal. «Dass sich alle meine Klassenkameradinnen und -kameraden an der Feier so offensichtlich mit mir freuten, war für mich gerade so schön wie das gute Resultat.»  
 
Eine gute Zeit gehabt
Marlene Heiniger berichtet, wie schwer sie sich nach der Quarta mit der Entscheidung tat, ob sie das  Gymnasium besuchen oder in eine Lehre einsteigen wolle. Sie entschied sich für die Arbeitswelt und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut. Nebst fachlichem Wissen habe sie in ihrer dreijährigen Lehrzeit auch viel für das Leben selbst gewonnen, betont die 18-Jährige. Sie habe gelernt, Eigenverantwortung zu übernehmen und ein gutes Selbstwertgefühl erworben.  «Das gibt Sicherheit im Umgang mit andern – aber auch Kraft, wenn man selbst unterwegs ist.» Zudem möchte sie die guten Erfahrungen, die sie im sechsköpfigen Arbeitsteam gemacht hat, nicht missen. 
 
Schwieriges und Schönes
Die junge Frau sagt ohne Umschweife, dass es auch schwierige Zeiten gegeben habe. «Gerade die personellen Veränderungen während der Lehrzeit waren für mich eine Herausforderung», blickt sie zurück. Aber auch das sichere Auftreten vor der Kundschaft habe ihr anfänglich etwas Mühe bereitet. «Es kostete mich zudem einiges an Überwindung, die Wünsche der Kunden am Schalter und die telefonischen Anfragen entgegenzunehmen», gesteht Marlene Heiniger. Doch diese Unsicherheit legte sich bei der jungen Berufsfrau allmählich. Grosse Freude bereiteten ihr die anfallenden Arbeiten in den Bereichen der AHV-Zweigstelle, dem Bauwesen sowie der Einwohner- und Fremdenkontrolle. Am liebsten jedoch sei sie in der Finanzverwaltung tätig gewesen. «Marlene Heiniger war eine vorbildliche Lernende», lobt Nicole Arnold, Verantwortliche für die Lernenden bei der Gemeindeverwaltung. Sie habe rasch selbständig arbeiten können, was für das ganze Team, gerade in den eben schwierigen Zeiten, eine Entlas-tung bedeutet habe. «Zudem kann Marlene gut mit Menschen umgehen. Sie wurde von den Kunden sehr geschätzt.» 
 
Interessiert, neugierig, gespannt…
«Die Sprachaufenthalte in Frankreich und in Grossbritannien bereicherten  meine Ausbildung», freut sie sich. Diese schönen Erfahrungen weckten in der Eriswilerin die Neugier, weitere Reisen zu unternehmen. Sie schwärmt: «Einmal Australien und Neuseeland kennen zu lernen, das wäre etwas Wunderbares.» Doch vorerst strebt Marlene Heiniger ein ehrgeiziges Ziel an. Mitte August wird sie nämlich in Bern die einjährige Maturitätsschule für Erwachsene (Passerelle) in Angriff nehmen. Es sei schon beruhigend zu wissen, dass sie bei fachlichen Problemen jederzeit auf die Hilfe ihres ältesten Bruders Severin zählen könne. «Nach diesem Jahr steht mir dann so manche Türe offen», begeistert sich die Frau, die an vielem interessiert ist, sich aber noch nicht festlegen will. Auch wieder in ihren erlernten Beruf zurückzukehren, weist sie nicht von der Hand. «Es benötigt eben etwas Zeit und Geduld, den richtigen Platz im Leben zu finden», sagt sie, «ich bin gespannt darauf, was ich dabei noch alles lernen und entdecken werde.»
 
Liebe Freunde 
Ihr späterer Beruf müsse aber ganz sicher mit Menschen zu tun haben, betont Marlene Heiniger, die sehr gerne mit Menschen unterwegs ist, aber auch die Stille draussen in der Natur liebt. Zudem habe sie in der Heilsarmee Huttwil liebe Freunde gefunden, mit denen sie gerne die Freizeit teile. Zum Schluss des Interviews spricht der «Unter-Emmentaler» den Event vom 14. August an. Dann wird Marlene Heiniger anlässlich der «Mumetu-Chilbi» in Aarwangen am Abend im grossen Festzelt um die Krone der 2. Schweizer Kartoffelkönigin kämpfen. Auf die Frage, wie sie sich darauf vorbereite, lächelt sie und sagt ganz spontan: «Gar nicht, ich lasse mich einfach überraschen.»
 Elsbeth Anliker



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