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Mit der Kirche zu den Menschen
| 27. Juli 2010
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Biker-Gottesdienst Sumiswald. Zu viel mehr Menschen als am letzten Sonntag hätte «die Kirche Sumiswald» kaum gehen können: Rund 2000 Besucherinnen und Besucher nahmen am Biker-Gottesdienst im Festzelt der Biker-Party teil. Zu Gast waren unter anderen der Motorradrennfahrer Dominique Aegerter aus Rohrbach und Dave Rolli, der aus seinem bewegten Leben erzählte.
«Kriegst du die Kurve?» war das Thema des dritten Biker-Gottesdienstes in Sumiswald. Der einheimische Pfarrer Marc Mettler jedenfalls hat sie einmal mehr und in jeder Beziehung gekriegt: Vom Rohrbacher Töffrennfahrer Dominique Aegerter wurde er sicher, professionell und auch lautstark auf die Bühne gefahren. Im vollbesetzten 2000 Menschen fassende Festzelt begrüsste er anschliessend eine riesige Zuhörerschaft, die sich rund zur Hälfte aus Bikern und aus regionalen Besuchern jeden Alters zusammensetzte. «Egal wer wir sind, egal wie es uns geht – es gibt keine göttlichen Vorbedingungen, um hier im Namen Gottes zusammen zu sein. Wir dürfen mit Gottes Segen rechnen», sagte er. Der erfolgreiche Dominique Aegerter erzählte in einem kurzen Interview, wie er als Töffrennfahrer die Kurven meistert. Stark zum Ausdruck kam dabei die enge Verbindung zwischen dem Fahrer, dem Bike und der Strasse. «Die Menschen verlieren die meiste Zeit damit, dass sie Zeit gewinnen wollen. Nehmt jede Kurve mit Respekt gegenüber euch, den Mitmenschen und eurem Bike», gab der 19-Jährige den Anwesenden mit auf den Weg.
Bewahrt und erneuert
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«Kriegst du die Kurve?» war das Thema des dritten Biker-Gottesdienstes in Sumiswald. Der einheimische Pfarrer Marc Mettler jedenfalls hat sie einmal mehr und in jeder Beziehung gekriegt: Vom Rohrbacher Töffrennfahrer Dominique Aegerter wurde er sicher, professionell und auch lautstark auf die Bühne gefahren. Im vollbesetzten 2000 Menschen fassende Festzelt begrüsste er anschliessend eine riesige Zuhörerschaft, die sich rund zur Hälfte aus Bikern und aus regionalen Besuchern jeden Alters zusammensetzte. «Egal wer wir sind, egal wie es uns geht – es gibt keine göttlichen Vorbedingungen, um hier im Namen Gottes zusammen zu sein. Wir dürfen mit Gottes Segen rechnen», sagte er. Der erfolgreiche Dominique Aegerter erzählte in einem kurzen Interview, wie er als Töffrennfahrer die Kurven meistert. Stark zum Ausdruck kam dabei die enge Verbindung zwischen dem Fahrer, dem Bike und der Strasse. «Die Menschen verlieren die meiste Zeit damit, dass sie Zeit gewinnen wollen. Nehmt jede Kurve mit Respekt gegenüber euch, den Mitmenschen und eurem Bike», gab der 19-Jährige den Anwesenden mit auf den Weg.
Kleiner «Beifahrer»
Vor zwei Jahren hatte Pfarrer Mettler während dem Biker-Gottesdienst Andrea und Benz Heiniger getraut, die damals gelobten, künftig gemeinsam über die Strassen des Lebens unterwegs zu sein. Inzwischen haben sie einen «Beifahrer» erhalten. So fand sich das Paar am Sonntag wieder auf der Bühne, um den kleinen, sieben Monate alten Jess taufen zu lassen. «Es wird manche Kurve in seinem Leben geben. Von euch, von uns allen wird Jess mit Gottes Hilfe lernen dürfen, wie man Kurven fährt, wie viel es erträgt, damit man sie noch kriegt», sagte Marc Mettler. Als Leitwort für den Lebensweg ihres Sohnes haben seine Eltern die Verse aus Sprüche 2 (10–11), ausgewählt: «Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein. Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten.» Weisheit, Erkenntnis, Besonnenheit und Einsicht würden auf den Strassen und im Leben allgemein nützen. Selbstverständlich sei es dennoch nicht, die Kurven zu kriegen. Leichtsinnigkeit, Pech, Süchte, wirtschaft-licher oder familiärer Druck, Karri-erechancen könnten dazu führen, dass man «rausgeschmissen» werde: «Manchmal sitzen wir Menschen wirklich bis zum Hals im ‹Seich› und merken, dass wir im Leben am falschen Ort zu viel Gas gegeben haben, dass wir die Lage nicht ernst genommen und darum die Kurve nicht gekriegt haben», sagte Pfarrer Mettler. Doch das müsse nicht das Ende sein; Gott biete Hilfe an, habe auch Jesus sterben lassen, damit durch den Glauben an ihn niemand halb tot neben den Kurven liegen müsse.
Bewahrt und erneuert
Dave Rolli hat dies tief und eindrücklich erfahren. Er hatte sich im Anschluss an die Lehrzeit nicht aufs Bike gesetzt, um als Töffrennfahrer Karriere zu machen, sondern um vor dem Alltag zu fliehen – und «vom Regen in die Traufe» zu fahren. Er verlor sich in Drogen und Alkohol, sah dem Tod ins Gesicht. Da fand er Zugang zu einer christlichen Gemeinschaft, fand den Weg zu Gott. Dave rekapitulierte sein ganzes Leben, tat Busse, kämpfte und zwang sein von Drogen «verbranntes» Hirn zum Studium. Erstmals nach Jahren kriegte er die Kurve. Ständig ist er daran, sich theologisch weiterzubilden. Er will Glauben wecken, Menschen fördern: «Gott hat mich bewahrt und völlig erneuert. Er hat ein Ziel für mein Leben», ist Dave Rolli heute, ein halbes Dutzend Jahre nach seiner Umkehr, überzeugt.
Der Anlass wurde von der Thuner Band «Grauhouz» begleitet – laut, passend und mitreissend. Selbstverständlich durfte im Repertoire auch der Töffsong «Born to be wild» nicht fehlen. Oropax war fast «obligatorisch» und wurde vor Beginn des Gottesdienstes verteilt. Die Musik heizte bei Alt und Jung ein, dürfte die Herzen für die Botschaft des Gottesdienstes geöffnet haben. Dazu gehörte auch die herbe Sprache, die Pfarrer Mettler verwendete. Er sehe sich als Übersetzer der biblischen Worte, sagte er gegenüber dem «UE», und er hoffe und bete immer wieder, dass die Menschen seine Botschaft verstehen würden. Es sei deshalb wichtig, am richtigen Ort die richtigen verständlichen Worte zu verwenden, die richtige Musik zu bringen und dabei auch andere Leute mit tiefgreifenden Lebenserfahrungen zu Wort kommen zu lassen. Der Erfolg des Anlasses gibt ihm unbedingt Recht. Als eindrücklicher Abschluss der viertägigen Biker-Party, die vom Sumiswalder Töffclub Dead Riders jedes zweite Jahr durchgeführt wird, ist der Biker-Gottesdienst kaum mehr wegzudenken.
Hinter den Kulissen stehen ein motiviertes OK, zahlreiche Freiwillige und nicht zuletzt auch die gute Zusammenarbeit mit den Dead Riders. Biker, die es gerne wollten, hatten im Anschluss an den Gottesdienst die Möglichkeit, sich von Marc Mettler den Segen mit auf ihre Bikerfahrten geben zu lassen.
Liselotte Jost-Zürcher
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