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Klare Linie vom ersten bis zum letzten Gang
| 28. August 2010
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Der Schwingerkönig des «Eidgenössischen» in Frauenfeld, Kilian Wenger (links), gemeinsam mit dem Kampfrichter Thomas Reist. Bild: Patricia Reist
Thomas Reist, Kampfrichter am Eidgenössischen Schwingfest. Unzählige Hürden muss ein Kampfrichter nehmen, bis er im Sägemehl an einem Eidgenössischen Schwingfest steht. Der gebürtige Huttwiler Thomas Reist – er wohnt heute im solothurnischen Rickenbach – hat es geschafft. In Frauenfeld stand er an der Front. Im Gespräch mit dem «UE» blickt er auf das vergangene intensive Wochenende zurück.
Als Achtjähriger «schnupperte» Thomas Reist gemeinsam mit seinem Bruder Stefan im Keller des Schwingklubs Huttwil. Der Sport faszinierte die beiden Buben. Ein Jahr später traten sie dem Schwingernachwuchs bei, und schon als Zehnjähriger nahm Thomas Reist zum ersten Mal an einem Schwingfest teil. 19 Jahre lang war er aktiv. Die ganz grossen Erfolge blieben ihm allerdings wegen fortlaufendem Verletzungspech vergönnt, und verletzungsbedingt musste er 1997 denn auch vom aktiven Schwingsport zurücktreten. Dem Schwingen als solches blieb er indessen treu, absolvierte einen Kampfrichterkurs, später auch entsprechende Weiterbildungen und machte sich mit dem ungeschmälerten Kämpfergeist und soliden Kenntnissen daran, sich hinaufzuarbeiten.
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Als Achtjähriger «schnupperte» Thomas Reist gemeinsam mit seinem Bruder Stefan im Keller des Schwingklubs Huttwil. Der Sport faszinierte die beiden Buben. Ein Jahr später traten sie dem Schwingernachwuchs bei, und schon als Zehnjähriger nahm Thomas Reist zum ersten Mal an einem Schwingfest teil. 19 Jahre lang war er aktiv. Die ganz grossen Erfolge blieben ihm allerdings wegen fortlaufendem Verletzungspech vergönnt, und verletzungsbedingt musste er 1997 denn auch vom aktiven Schwingsport zurücktreten. Dem Schwingen als solches blieb er indessen treu, absolvierte einen Kampfrichterkurs, später auch entsprechende Weiterbildungen und machte sich mit dem ungeschmälerten Kämpfergeist und soliden Kenntnissen daran, sich hinaufzuarbeiten.
Dies geschieht bei den Kampfrichtern ausschliesslich durch Routine. Sie richten nach den Richtlinien des Eidgenössischen technischen Regulativs und aufgrund ihrer Erfahrung, beginnen «ganz unten» bei kleinen «Giele-Schwinget» und ähnlichen Anlässen, später bei regionalen Schwingfesten, wie im Fall von Thomas Reist das Oberbühl-Schwingfest in Huttwil. Haben sich die Kampfrichter bewährt, kann «ihr» Club sie beim kantonalen Verband aufstellen lassen, dessen technische Leitung die Verteilung der Anwärter auf die kantonalen Schwingfeste vornimmt.
Das heisst, Einsätze in jeder Saison an mindestens einem Schwingfest und an einem Bergfest (Brünig, Schwägalp, Schwarzsee, Rigi und Weissenstein). Erst mit diesen umfassenden Erfahrungen können sich die kantonalen Kampfrichter auf die Wahlliste für die Eidgenössischen Schwingfeste schreiben lassen. «Für mich ist es ganz klar eines der Ziele, an jedem Bergfest einmal zu richten», sagt Thomas Reist gegenüber dem «UE». Zurzeit fehle im noch der «Weissenstein».
Längst haben sich bei ihm indessen die Ereignisse überstürzt. Zweimal hatte er sich 2004 und 2007 für das Amt als Kampfrichter am «Eidgenössischen» in Luzern resp. Aarau beworben. Die Chancen waren klein; mit ihm bewarben sich Schwinger-Legenden, die auf eidgenössischer Ebene einen «Namen» besitzen – das zählte. Doch der Huttwiler gab nicht auf: «Ich habe während den Aktiv-Jahren stets gekämpft und nie aufgegeben – da wollte ich mich jetzt auch nicht unterkriegen lassen», sagt er.
Umso mehr freut es ihn, dass er es beim dritten Anlauf geschafft hat. Nicht nur der Kämpfergeist, sondern auch sein klares Konzept dürften es schlussendlich gewesen sein, die ihm jetzt zur Ehre verhalfen, am Eidgenössischen Schwingfest in Frauenfeld 2010 als Kampfrichter zu amten.
Denn einerseits achtete er stets auf würdiges Auftreten, sprich in Mutz, weissem Hemd und schwarzen Hosen. Von Anfang an und selbst bei den kleinsten «Giele-Schwinget» hielt er sich an diese Regel und fiel damit nicht selten auf, «positiv, glaube ich», meint er. Seinen Mutz trägt er dabei mit besonderem Stolz: Diesen hatte ihm sein Vater geschenkt, als er beim Aktiv-Schwingen seinen ersten und auch einzigen Kranz gewann. Damals hatte er sich nämlich für die Ehrung einen Mutz ausleihen müssen.
Vorurteilslos bis zuletzt
Klare (und harte!) Linien verfolgt Thomas Reist auch beim Richten: «Wenn ich im Ring stehe, sehe ich zwei Schwinger vor mir – nicht zwei Namen. Es ist mir sehr wichtig, vorurteilslos und korrekt zu richten. Dazu gehört halt auch, dass man im ersten und im letzten Gang gleich richtet und nicht die Rangliste mit ungerechtfertigten Viertelspünktchen beeinflusst», hält er fest.
In jedem Fall unterstützt Thomas Reist die gegenwärtigen Bestrebungen, dass auch Kampfrichter bewertet werden und damit klarer wissen, wo sie stehen – wie in vielen Sportarten ist das Richtern auch beim Schwingen eine Ermessensfrage; die Punkte können nie eindeutig mit Messband oder Stoppuhr ermittelt werden. Klare Richtlinien und fundiertes Wissen seien deshalb umso wichtiger.
Seine Linie setzt er wenn nötig auch gegenüber den Kollegen durch. So veranlasste er in Frauenfeld eine Rochade, nachdem ihn zwei Kollegen im Dreierteam in zwei nacheinander folgenden Gängen zugunsten der Schwinger überstimmt hatten. «Es waren zwei sehr passive Gestellte, und diese wollte und konnte ich nicht mit 9 Punkten belohnen», blickt er zurück. Später entschuldigten sich die beiden andern Kampfrichter bei ihm, doch das befriedigte ihn nur halb: «Das ungerechtfertigt gute Resultat hat die Rangliste beeinflusst; das konnte mit der Entschuldigung nicht mehr rückgängig gemacht werden und sollte einfach nicht geschehen.»
Insgesamt aber blickt Thomas Reist mit unzähligen positiven Erinnerungen und einem guten Gefühl auf «sein» erstes «Eidgenössisches» zurück: «Grössere Probleme gab es keine, und das Kampfrichterteam hat von den Schwingern ein positives Echo erhalten», sagt er. Wie hätte er die Kritik aber aufgefasst, wenn sie eben nicht so gut gewesen wäre? «Ich höre nur auf diejenigen, welche etwas vom Schwingen verstehen und nehme Kritik gerne an, wenn sie von Leuten stammt, die wissen, wovon sie reden. Man hat nie ausgelernt», ist seine Devise.
Schatten über dem Glanz
Dunkle, aber für die Öffentlichkeit unsichtbare Wolken standen über der Freude von Thomas Reist, als er bei 44 Grad im gleissenden Sonnenlicht in den Sägemehlringen stand oder am Richtertisch sass und nach bestem Wissen und Gewissen richtete. Auf der Tribüne fehlte sein Vater, der ihn und den Bruder Stefan von Anfang an und mit vollster Hingabe im Schwingen gefördert hatte – und seinen Buben das ermöglichte, was er selbst so gerne getan hätte, aber nicht tun durfte.
In diesen Tagen musste sich Vater Reist einmal mehr im Berner Inselspital einer Bestrahlung unterziehen. Der Gesundheitszustand war übers Wochenende schlecht, und vom Schwingfest und dem ehrenvollen Einsatz seines Sohnes bekam er kaum etwas mit. Am Sonntagabend gelang es dann Patricia, der Frau von Thomas Reist, ihren Mann und den Schwingerkönig gemeinsam zu fotografieren (siehe Bild oben). Mit dem Bild in der Hand besuchte er am darauffolgenden Montag seinen Vater. Die Freude, den Sohn mit «dem König» auf dem Bild zu sehen, muss diesem neue Kraft gegeben haben; es sei ihm daraufhin ein bisschen besser gegangen, freut sich Thomas Reist.
Was sind die nächsten Pläne des jungen Familienvaters und Lastwagenchauffeurs? «Die Wochenenden sind mir heilig; ich verbringe sie am liebsten mit meiner Frau und den vier Kindern», verrät er. Und als Kampfrichter an Schwingfesten natürlich. Eine Sehnsucht zielt auf das «Eidgenössische» in Burgdorf, 2013: Daraufhin nämlich, dass sein Name bei der technischen Leitung bekannt bleibt und er auch dann wieder im Sägemehl und an der Front stehen darf.
Liselotte Jost-Zürcher
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