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Der Prinz wurde souveräner Schwingerkönig
| 24. August 2010
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Eidgenössisches Schwingfest in Frauenfeld. Würdiger kann kein König sein: Kilian Wenger aus Horboden im Berner Oberland hat in Frauenfeld mit seiner erfrischenden Schwingweise alle Favoriten in den Schatten gestellt. Mit acht Siegen in acht Gängen holte der 20-jährige Athlet bei seiner ersten Teilnahme den Königstitel nach 18 Jahren Unterbruch ins Bernbiet zurück. Es war auch ein Sieg für den Schwingsport. René Berger aus Lützelflüh hatte kein Glück. Er konnte nur vier Gänge bestreiten.
Auszug aus der Rangliste: Alle Kranzgewinner: 1. Kilian Wenger, Horboden, 79,00; 2. Jörg Abderhalden, Nesslau, 77,00; 3.a Christian Stucki, Schnottwil; 3.b Andi Imhof, Attinghausen, beide 76,50; 4. Thomas Sempach, Heimenschwand, 76,25; 5.a Martin Grab, Rothenthurm; 5.b Michael Bless, Gais; 5.c Matthias Sempach, Alchenstorf, alle 76,00; 6.a Stefan Burkhalter, Homburg; 6.b Beat Clopath, Bonaduz; 6.c Christian Schuler, Rothenthurm; 6.d Christian Bürki, Eggiwil; 6.e Reto Maurer, Oberwil i.S., alle 75,75. 7.a Christoph Bieri, Untersiggenthal; 7.b Bruno Fäh, Benken; 7.c Willy Graber, Bolligen; 7.d Hans-Peter, Oberschrot; 7.e Benji von Ah, Giswil; 7.f Matthias Glarner, Meiringen; 7.g Edi Philipp, Untervaz; 7.h Arnold Forrer, Stein; 7.i Matthias Siegenthaler, Fankhaus, alle 75,50. 8.a Benno Studer, Schüpfheim; 8.b Andy Büsser, Ottoberg; 8.c Bruno Gisler, Wolfisberg; 8.d Martin Glaus, Schänis; 8.e Andreas Ulrich, Gersau; 8.f Philipp Laimbacher, Seewen, alle 75,50. 9.a Ueli Banz, Hasle; 9.b Jakob Roth, Krummenau; 9.c Ruedi Stadelmann, Daiwil; 9.d Ivo Laimbacher, Brunnen; 9.e Jodok Huber, Bergdietikon; 9.f Simon Anderegg, Meiringen; 9.g Thomas Zindel, Günsberg, alle 75,00. 10.a Mike Peng, Malix; 10.b Beat Wampfler, Oey; 10.c Thomas Zaugg, Eggiwil; 10.d Adi Laimbacher, Steinerberg; 10.e Benedikt Notz, Güttingen; 10.f Mario Thürig, Möriken; 10.g Martin Koch, Schlierbach; 10.h Christian Studinger, Starrkirch, alle 74,75. – Nur vier Gänge: Florian Hoffmann, Norwegen/Melchnau; René Berger, Lützelflüh, beide 35,75.
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«Super, wunderschön, einmalig», gab Kilian Wenger aus Horboden im Diemtigtal nach seinem Husarenstreich in Frauenfeld zu Protokoll. «Ich werde diesen Erfolg erst später realisieren», meinte der 20-jährige Shootingstar der Sägemehlsportler nach seinem grössten Triumph der noch jungen Karriere (bisher 24 Kränze). Der «UE»-Thronfavorit war die grosse Figur am 42. Eidgenössischen Schwingfest. Während sich die Medien auf Jörg Abderhalden und Christian Stucki fokussierten, zog der athletische Oberländer im Schatten der Kronfavoriten und ehemaligen Könige voll durch. Acht Siege in acht Kämpfen – dies gab es an einem Eidgenössischen Schwingfest zuletzt vor 30 Jahren. Kilian Wenger war derart überlegen, dass er bereits vor dem Schlussgang gegen den Innerschweizer Martin Grab als Festsieger dastand. Doch den Titel des Schwingerkönigs sicherte er sich erst durch den Sieg in der Endausmarchung. Bei einer Niederlage hätte das Kampfgericht den Entscheid fällen müssen, ob sich der junge Berner Oberländer Schwingerkönig oder lediglich «Erstgekrönter» hätte nennen dürfen.
Alles passte
Doch der bärenstarke Oberländer liess es gar nicht soweit kommen. Nach 12:56 Minuten des Schlussgangs legte er den traditionell in einem grünen Hemd schwingenden Martin Grab mittels Hüfter auf den Rücken. Der Jubel in der Arena war gewaltig. Nach dem fünften Gang bebte das Stadion sogar. «Ein Bubentraum ist in Erfüllung gegangen. Ich habe im fünften Gang mein grosses Idol Jörg Abderhalden bezwungen – und anschliessend auch gleich noch den Königstitel geholt», erklärte der stets bescheidene Wenger ungläubig. «Es muss an beiden Tagen alles stimmen, um einen solchen Erfolg zu schaffen. Das Berner Team, die Fans, das Wettkampfglück, die Einteilung und das Wetter passten am heutigen Tag für mich optimal», freute sich der physisch starke Schwinger, der mit seiner frischen und offensiven Schwingweise das Publikum in seinen Bann zog. Nur der ewige Publikumsliebling Hans-Peter Pellet aus dem Freiburgischen (bald 40), der in Frauenfeld seine Karriere mit der Rekordzahl von 136 Kranzgewinnen auf Rang 7d beendete, hatte noch mehr Applaus erhalten.
Wenger mit Bodenhaftung
Dank Kilian Wenger wurde erstmals seit Silvio Rüfenacht (Hasle-Rüegsau) 1992 in Olten wieder ein Berner Schwingerkönig. Und der Titel ging erstmals seit 1972 und David Roschi wieder ins Berner Oberland. Der Triumph war hochverdient. Mit Kilian Wenger siegte auch der Schwingsport. Wenger ist durch seine erfrischende Art zu schwingen und seinem Auftreten auf und nebem dem Sägemehlring eine Bereicherung. Der durchtrainierte Athlet hat kaum ein Gramm Fett zu viel und bezwingt seine Gegner nicht mit körperlicher Masse, sondern Muskelkraft, Technik und vor allem Angriffslust. Wengers natürliche Art mit der dem Schwingsport verbundenen Bodenhaftung faszinierte. Nach seinem grandiosen Sieg im sechsten Gang gegen Benji von Ah aus Giswil zeigte der Zimmermann-Lehrling mit einer Geste dem Publikum, dass er nun den Kranz auf sicher hatte. Und vor der Königsehrung machten ihm die mahnenden Worte von Ex-Schwingerkönig Ernst Schläpfer (er gewann 1980 als letzter Schwinger alle acht Gänge), Eidgenössischer Obmann, mächtig Eindruck. «Ich habe Respekt vor allem, was nun kommt. Im Zivilen sollte ich wohl in meiner Amtszeit ‹ke Seich mache›. Bei der Königsehrung war Wenger ganz Gentlemen: Der König küsste nicht nur seine Ehrendame sondern gleich das ganze Ehrendamen-Oktett.
René Berger ohne Glück
René Berger, Lützelflüh, war der einzige regionale Schwinger in Frauenfeld. Und dem Mitglied des Schwing-klubs Sumiswald lief es nicht wunschgemäss. Der 24-Jährige konnte lediglich vier Gänge mittun. «Es gibt schon etwas zu kauen, wenn die Urteile ungerecht ausfallen», bilanzierte der Lützelflüher. Nach dem tollen Startsieg gegen Reto Kathriner (Neuenkirch) verlor Berger gegen Adi Laimbacher (Steinerberg), obwohl er nicht auf dem Rücken lag. «Das Publikum und selbst Laimbacher sagten mir nach dem Urteil, dass meine Schultern nicht im Sägemehl waren», schilderte ein frustrierter Berger. Doch nicht genug. «Im dritten Gang gegen Martin Knechtle aus Flawil stolperte ich am Sägemehlrand. Obwohl meine Schultern ausserhalb des Sägemehls waren, wurde Knechtle der Sieg zugesprochen.» Und das Unheil hielt auch im letzten Gang des ersten Tages an. Beim gestellten Gang gegen Jost Britschgi (Sarnen) wurde ein attraktiver Kampf nur mit je 8,75 Punkten bewertet. Damit war René Berger ausgeschieden. «Am ersten Eidgenössischen Schwingfest seine Ziele durch solche Begebenheiten zu verfehlen, tut schon weh», bilanzierte Berger, der wegen einer bevorstehenden Operation die Saison vorzeitig beendet. Die zahlreichen Fehlurteile der Kampfrichter sorgten am «Eidgenössischen» für hitzigen Gesprächsstoff.
Zwölf Kränze nach Bern
Genau gleich erfolglos wie Berger blieb auch der aus Norwegen angereiste ehemalige Melchnauer Florian Hoffmann. Mit ebenfalls 35,75 Punkten schied das 28-jährige Mitglied des Schwingklubs Langenthal vorzeitig aus. Leichter Trost für das Duo Berger/Hoffmann: Mit Stefan Fausch (Seewis) musste sogar ein Mitfavorit nach vier Gängen die Sachen packen. Und die Kronfavoriten Abderhalden (Rang 2), Stucki (Rang 3a), Sempach (Rang 5c) und Forrer (Rang 7h) holten zwar alle den Kranz, verpassten aber alle den Schlussgang und damit das Minimalziel. Frauenfeld 2010 dürfte der Abschluss der Karriere von Jörg Abderhalden, dem erfolgreichsten Schwinger der Geschichte, gewesen sein. Auch wenn nicht alle Berner Trümpfe stachen: Mit dem Titelgewinn und den 12 Kranzgewinnen zeigte der Bär die Krallen. 43 Kränze wurden verteilt. Inklusive Schwingerkönig Kilian Wenger gewannen 17 Schwinger erstmals Eidgenössisches Eichenlaub. Die Aufteilung: Nordostschweiz (13), Bern (12), Innerschweiz (12), Nordwestschweiz (5), Südwestschweiz (1).
«Wir sind begeistert. Das Konzept ist voll aufgegangen. Und wegen dem tollen Wetter wurden wir mit einem riesigen Zuschaueraufmarsch belohnt», zog Urs Schneider, OK-Präsident des Eidgenössischen Schwingfests 2010, eine restlos erfreuliche Bilanz. 250 000 Besucher waren am Schwingfest-Weekend vor Ort dabei. Burgdorf 2013 muss sich anstrengen, um diese Titelkämpfe zu toppen.
Stefan Leuenberger
Auszug aus der Rangliste: Alle Kranzgewinner: 1. Kilian Wenger, Horboden, 79,00; 2. Jörg Abderhalden, Nesslau, 77,00; 3.a Christian Stucki, Schnottwil; 3.b Andi Imhof, Attinghausen, beide 76,50; 4. Thomas Sempach, Heimenschwand, 76,25; 5.a Martin Grab, Rothenthurm; 5.b Michael Bless, Gais; 5.c Matthias Sempach, Alchenstorf, alle 76,00; 6.a Stefan Burkhalter, Homburg; 6.b Beat Clopath, Bonaduz; 6.c Christian Schuler, Rothenthurm; 6.d Christian Bürki, Eggiwil; 6.e Reto Maurer, Oberwil i.S., alle 75,75. 7.a Christoph Bieri, Untersiggenthal; 7.b Bruno Fäh, Benken; 7.c Willy Graber, Bolligen; 7.d Hans-Peter, Oberschrot; 7.e Benji von Ah, Giswil; 7.f Matthias Glarner, Meiringen; 7.g Edi Philipp, Untervaz; 7.h Arnold Forrer, Stein; 7.i Matthias Siegenthaler, Fankhaus, alle 75,50. 8.a Benno Studer, Schüpfheim; 8.b Andy Büsser, Ottoberg; 8.c Bruno Gisler, Wolfisberg; 8.d Martin Glaus, Schänis; 8.e Andreas Ulrich, Gersau; 8.f Philipp Laimbacher, Seewen, alle 75,50. 9.a Ueli Banz, Hasle; 9.b Jakob Roth, Krummenau; 9.c Ruedi Stadelmann, Daiwil; 9.d Ivo Laimbacher, Brunnen; 9.e Jodok Huber, Bergdietikon; 9.f Simon Anderegg, Meiringen; 9.g Thomas Zindel, Günsberg, alle 75,00. 10.a Mike Peng, Malix; 10.b Beat Wampfler, Oey; 10.c Thomas Zaugg, Eggiwil; 10.d Adi Laimbacher, Steinerberg; 10.e Benedikt Notz, Güttingen; 10.f Mario Thürig, Möriken; 10.g Martin Koch, Schlierbach; 10.h Christian Studinger, Starrkirch, alle 74,75. – Nur vier Gänge: Florian Hoffmann, Norwegen/Melchnau; René Berger, Lützelflüh, beide 35,75.
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