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Gegen den Strom ins kalte Wasser

|  24. Januar 2012
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Gegen den Strom ins kalte Wasser
Der Sitz im Gemeinderat war Grund genug, jetzt ist sie ganz in Madiswil angekommen: Christine Badertscher fühlt sich in der eigenen Wohnung und auf dem Land wohl. Im März beginnt sie das Masterstudium Agronomie in Zollikofen. Bild: bh

 
Christine Badertscher, Madiswil. Sie ist Mitglied der Grünen Partei und persönliche Mitarbeiterin von Nationalrat Alec von Graffenried. Sie kandidierte auf der Liste der SP. Seit einem Jahr betreut die dipl. Umweltingenieurin Christine Badertscher (30) im Gemeinderat von Madiswil die Sicherheit. Dass dieser Gump ins kalte Wasser Spass machen kann und zum Lehrplätz wird, zeigt eine erste Bilanz der Bauerntochter, die nicht einmal im Dorf selbst aufgewachsen ist.


 Heute weiss Christine Badertscher, was ein TLF ist. Sie ist sogar schon mal auf einem «TankLöschFahrzeug» mitgefahren. Als politische Chefin der freiwilligen Feuerwehr. 
Sie ist die einzige Frau im Korps. Sie hatte von all dem, ganz ehrlich gesagt, vor einem Jahr noch keinen blassen Schimmer. Sie hätte damals vielleicht lieber das Sozialdepartement übernommen, als ihre Wahl zur Gemeinderätin von Madiswil im Langetental wie aus heiterem Himmel über sie kam.
 
Feuerwehr statt Vormundschaft
270 Madiswilerinnen und Madiswiler haben im Herbst 2010 auf ihre Person, ihre 30 Jahre Jugendlichkeit und auf ihr Gesicht gesetzt und gehofft. «Und weil sie teilweise auch meine Eltern und damit meinen Namen gekannt haben», räumt Christine Badertscher gleich noch ein. 
Obwohl: Vater Hans, im Jahr 2001 mit Marianne und den Kindern aus dem Emmental zugezogener Biobauer, ist standesgemäss Mitglied der SVP. Ausgerechnet er wurde im November 2010 in der gleichen Wahl als Mitglied der Vormundschaftskommission gewählt. Womit für Gemeinderätin Badertscher nur noch die Sicherheit blieb. Und damit die Feuerwehr. 
«Ich bin heute ein grosser Fan der Feuerwehr. Ich würde nicht tauschen wollen», sagt sie ohne Ironie, «ich fühle mich von der Führung und der ganzen Mannschaft ernst genommen. Und ich habe in den letzten Monaten sehr viel gelernt. Für beides bin ich meinen Leuten dankbar.» 

Zu viel des Guten
Das gleiche Zeugnis stellt sie den Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat aus, mit denen sie privat und persönlich gut z’schlag kommt. «Auch wenn die politischen Ansichten und Absichten oft weit auseinander liegen.» Zum Beispiel dann, als sie in einer Retraite des Rates voller Enthusiasmus die Vorzüge und das Funktionieren des Energiestadt-Labels zum Besten gab. Sie lacht. Sie sagt: «Ich weiss, ich weiss, ich bin dort voll übers Ziel hinausgeschossen. In meinem politischen und persönlichen Umfeld ist das Thema Energie eine Selbstverständlichkeit. Hier im Dorf ist dazu schon viel vom Kanton verordnet. Mehr will man nicht unbedingt.» 
Trotzdem bleibt ein Silberstreifen am Horizont und ein keckes Blitzen in Christines Augen: Sie habe den Auftrag, einen Energieberater nach Madiswil einzuladen, der die gemeindeeigenen Gebäude unter die Lupe nimmt. 
 
Auf den Mont Soleil …
«Apropos Energie und mein Hintergrund als Grüne», wirft Christine Badertscher gleich noch ein, die Wangen leicht errötet: «Ich habe letztes Jahr den Ausflug des Gemeinderats organisiert. Damit wollte ich natürlich ebenso punkten.» Badertscher führte die Madiswiler Exekutive zu den Windkraft-Turbinen der BKW auf den Mont Soleil. «Dort hat uns der BKW-Fachmann nicht nur die Vorzüge erneuerbarer Energien präsentiert, sondern meinen Kolleginnen und Kollegen vor allem ausführlich dargelegt, warum wir unter gar keinen Umständen auf AKWs verzichten können.» 
Christine Badertscher schnappt auch Monate später wieder nach Luft: «Ausgerechnet! Und das nach Fukushima! Und das mir!» ruft sie, um dann doch noch über das eigene Schicksal lachen zu können.
 
… und in den Europapark Rust
Rundum positiv sieht sie ein anderes Reisli, diesmal nach Rust: «Als Jüngste organisiere ich die Jungbürgerfeier. Dazu gehört die Schulreise der Jungbürgerinnen und Jungbürger.» Das Ziel bestimmen die Jungen jeweils selbst. «So fuhren wir letztes Jahr mit dem Car in den Europapark nach Rust.» Das werde sie auch heuer tun: «Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Madiswil kann auf diese Jungen stolz sein!» Sie stehe ihnen mit den eigenen 30 Lebensjahren eh nah. Wobei das Alter nicht immer alle Eventualitäten ausschliessen kann. Damit wären wir bei einem nächsten kleinen Highlight ihres ersten Jahres als Gemeinderätin.
 
Der Chef Sicherheit
In ihrem Amt betreut Christine Badertscher auch das politische Sicherheitskommando bei Grossanlässen. Zum Beispiel am «slowUp»-Sonntag. Es ging damals um das Verteilen der Funkgeräte auf die Funktionäre. Ein junger Mann vom Zivildienst rief auf Badertschers Handy an, um mit dem Chef Sicherheit den Zeitpunkt der Übergabe zu koordinieren: «Als ich den Anruf entgegennahm, fragte der Mann sofort: Ist Ihr Mann da?» 
 
Mehrweg-Becher an der Chilbi
Vor der Rüebe-Chilbi, dem anderen Grossanlass der Gemeinde, habe sie im ersten Moment genauso Respekt gehabt wie vor der Feuerwehr. «Heuer kann ich es lockerer angehen. Ich weiss jetzt, wie der Töff läuft.» 
Mit dem Wirt des «Saloon» neben Aschi Strahms Töff-Tempel hat sie sich schon letztes Jahr über den Einsatz von Mehrweg-Bechern an der Chilbi unterhalten. Was heisst unterhalten: «Der Wirt bat mich in sein Büro und steckte mir von sich aus Offerten von Mehrweg-Angeboten zu!», frohlockt Badertscher. 
Sie sieht den grünen Keim, aus dem mehr wachsen könnte: «Es müssen ja nicht alle auf einmal mitmachen.» Dazu passt punktgenau ein anderer Bereich, mit dem sie sich als Gemeinderätin quasi amtlich zu befassen hat. Der Ghüder. 
 
Ghüder und frisches Wasser
Auch beim Abfall und der Entsorgung will sie in den kommenden Jahren kommunal etwas bewegen. Auch wenn vieles schon kantonal reglementiert ist: «Aber bitte schön langsam, Schrittli für Schrittli.» Das sei ja auch das Faszinierende an ihrem Amt. Und deshalb wichtig, es hier allen Jungen zu sagen, die sich in ihrer Gemeinde ebenso engagieren könnten: «Ich beschäftige und  begeistere mich heute für Dinge, die mich vorher keinen Deut interessiert haben. Das tut gut! Gegen den Strom zu schwimmen übrigens auch. Man kommt in frisches Wasser!» Beat Hugi
 


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