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Formel-1-Stimmung beim Schloss Trachselwald

|  10. Juli 2012
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Formel-1-Stimmung beim Schloss Trachselwald
Vom Schloss Trachselwald her kommend, flitzt die 12-jährige Danja Ritschard aus Wichtrach die Rennstrecke hinunter. Bild: slh
20. Grand-Prix von Sumiswald. Mit horrendem Tempo waren am Sonntag Seifenkistenpiloten aus der ganzen Schweiz beim Schloss Trachselwald unterwegs. Am 20. GP von Sumiswald konnte eine schöne Beteiligung verzeichnet werden. Allerdings kämpft die organisierende Interkantonale Seifenkistenvereinigung um neue Vereinsmitglieder. Seine Sumiswalder Premiere erlebte der am Renntag seinen 7. Geburtstag feiernde Wyssacher Martin Heiniger.


Formel-1-Stimmung am Sonntag in Sumiswald. Während die Stars in Silverstone ihre Runden drehten, waren in Sumiswald die besten Seifenkistenfahrerinnen und -fahrer zu Gast. Und die Rennboliden erinnerten nicht selten an die Hightech-Geschosse der Formel 1. Bereits zum 20. Mal fand der Grand-Prix von Sumiswald statt. In drei Rennläufen donnerten die Seifenkisten vom Schloss Trachselwald über eine Strecke von 1,1 Kilometer (400 m Höhendifferenz) hinunter ins Ziel bei der Sumiswalder Reithalle. Die zwei besten Zeiten zählten für die Rangliste. Atemberaubend, wie schnell die Gefährte so gänzlich ohne Motorenantrieb die Strasse hinunter flitzten. Beeindruckend die Steuerkünste, denn die Pilotinnen und Piloten hatten während ihrer Fahrt noch etliche eingebaute Schikanen in der Form von Pylonen zu meistern. 
 
Alter VW Golf ein Blickfang
Die Vielfalt der Gefährte war gewaltig. Nicht selten konnte sich das Publikum an regelrechten Kunstwerken erfreuen. Beispielsweise kurvte der Allschwiler Markus Müller mit einem original nachgebauten roten VW Golf I den Berg hinunter. Dieses Modell wurde von 1974 bis 1983 produziert. «Ich steckte 3000 Arbeitsstunden in mein Baby», erzählte der seit 2007 im Jahr rund 20 Rennen fahrende Basler voller Stolz. Sein Miniatur-Golf ist ein Blickfang und mit allen Raffinessen ausgerüstet. So ist hinten eine Videokamera installiert, welche alle Fahrten von Müller festhält. Der Golf verfügt auch über einen Tachometer. «In Sumiswald erreichte ich als Spitzengeschwindigkeit 81 km/h», liess Müller aufhorchen. Damit war er aber nicht einmal der Schnellste. 1:22 Minuten benötigte Müller bei seiner schnellsten der drei Fahrten. In 1:17 Minuten stellten Manuela und Rolf Oswald aus Murten die Tagesbestzeit auf. Über 90 km/h hatte das Zweiergespann in der Kategorie Bob-Car drauf. Fahrzeuge mit Fahrer und Beifahrer sind wegen des Gesamtgewichts extrem schnell. 
 
Keine eigenen Startenden
Um die 40 Einzelstartende und 15 Bob-Cars zählte das erfreuliche Teilnehmerfeld in Sumiswald. Doch beim genauen Hinsehen stellte sich heraus, dass kaum Fahrerinnen und Fahrer der organisierenden Interkantonalen Seifenkistenvereinigung IKSV mitmachten. Der 1985 gegründete Verein kämpft ums Überleben. «Wenn Sumiswald nicht von derart vielen Piloten von äuswärtigen Seifenkistenverbänden besucht würde, könnte dieser Grand-Prix nicht durchgeführt werden», erklärt Hans Wittwer. Der Belper amtet als Präsident der IKSV. «Gerade sechs Fahrerinnen und Fahrer der IKSV gingen in Sumiswald an den Start. Für diese alleine könnten wir keine derartige Veranstaltung auf die Beine stellen.» Deshalb hofft Wittwer wie all seine Vorstandskollegen auf Nachwuchs und die Treue der auswärtigen Verbände. 
 
Geburtstags-Ausfahrt
Unternommen wird einiges. So wurde in Sumiswald unter der Bezeichnung «Einheimische» eine Kategorie angeboten, welche Knaben und Mädchen, die noch nie oder noch selten an einem Seifenkistenrennen dabei waren, einen Start ermöglichten. Gleich acht Knaben und ein Mädchen zeigten Interesse, «was mich enorm freut», lachte Wittwer. Zu den Newcomern gehörte Martin Heiniger aus Wyssachen. «Ich bin durch meinen Bruder zum Seifenkistenfahren gekommen. Es gefällt mir ausgezeichnet und ich werde garantiert wieder an den Start gehen», frohlockte der Wyssacher. «Dies scheint der richtige Weg, um unser Fortbestehen sichern zu können», meinte Wittwer zum begeisterten Nachwuchsfahrer. Für Martin Heiniger war es sowieso ein spezieller Tag. Er feierte am GP von Sumiswald seinen 7. Geburtstag. Wie im IKSV üblich, konnte er sich für seinen Start eine Seifenkiste aussuchen. Heinigers Wahl fiel auf eine knallblaue Seifenkiste, «der Farbe wegen», wie er erklärte. Angst hatte Martin Heiniger, der auf dem elterlichen Betrieb gerne mithilft («am liebsten füttere ich die Munis») oder Fussball spielt, auf seinen drei «Geburi-Ausfahrten» keine. Und Talent scheint der soeben sein erstes Schuljahr beendete Pilot zu haben. In der «Einheimischen»-Kategorie klassierte sich der jüngste Teilnehmer des Anlasses auf dem 6. Rang (schnellster Lauf in 2:31 Minuten).  In den Kategorien der IKSV-Mitglieder feierten Chantal-Cheyenne Friedrich aus Wyss-achen (schnellster Lauf in 1:54 Minuten) und Manuela Jungi aus Wynigen (schnellster Lauf in 1:31 Minuten) Siege.
 
Feuerwehrverein hilft
Am 20. GP von Sumiswald half der Feuerwehrverein Sumiswald-Wasen zum zweitenmal in Serie bei der Organisation mit. «Es ist eine gute Sache. Wir haben zehn Mitglieder im Einsatz. Die Festwirtschaft und das Akquirieren von Inseraten für das Programmheft laufen in unsere Aufgabenbereiche», erklärte Präsidentin Susanne Erhard aus Grünen. «Natürlich möchten wir mit unserem Engagement etwas für die Vereinskasse tun. Deshalb werden wir nach der diesjährigen Austragung besprechen, ob wir auch kommendes Jahr wieder als Mitorganisator auftreten.» Für Hans Wittwer wäre dies sehr wichtig: «Wir brauchen einen Sumiswalder Verein, der uns hilft. Ebenso sind wir auf der Suche nach Sponsoren und Neumitgliedern, um diesen schönen Sport in der Region nicht sterben zu lassen.» 
 Stefan Leuenberger



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